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ADVENTIST HEALTH STUDY II


Er ist ein hervorragender Kardiologe, Wissenschaftler, Epidemiologe und Mathematiker. Und damit nicht genug – Dr. Fraser gehört auch zu den besten Orgelspielern von Loma Linda.
Geboren ist er in Neuseeland, wo er Medizin und Epidemiologie studierte. In den Vereinigten Staaten absolvierte er anschließend den Studiengang Public Health. Ab 1981 leitete er den kardiologischen Teil der Adventistischen Gesundheitsstudie I und seit 1988 die gesamte Studie. Er ist Professor für Medizin und Public Health an der Loma Linda Universität in Kalifornien. Während des 4. Internationalen Kongresses für vegetarische Ernährung hatte ich Gelegenheit, mit ihm zu sprechen.

GE!: Voriges Jahr wurde die Finanzierung der neuen Adventistischen Gesundheitsstudie von der staatlichen wissenschaftlichen Agentur NIH (National Institute of Health) für zunächst mehrere Jahre übernommen. Warum ist es überhaupt interessant, eine neue adventistische Gesundheitsstudie zu machen?

GF: In den vergangenen Jahren haben wir einige wichtige Dinge gelernt. Wir kennen einige Zusammenhänge zwischen gesättigten Fettsäuren, Cholesterin und Herzkrankheiten ebenso wie zwischen Ballaststoffen und Krebs. Trotz der Erfolge während der letzten drei Jahrzehnte in der Ernährungsepidemiologie gibt es aber immer noch vieles, was wir nicht verstehen.Wir wissen ganz allgemein, dass Obst und Gemüse gut für die Gesundheit ist. Wenn man jedoch versucht spezifisch zu sein, stellt man sehr schnell fest, dass sich die wissenschaftlichen Studien oft widersprechen. Und für manche ist das sehr verwirrend. Wir verstehen mittlerweile auch, warum es wahrscheinlich so ist: Die Widersprüche werden vermutlich durch falsche Angaben und grobe Messfehler verursacht. Mittlerweile ist es möglich, mit neuen statistischen und epidemiologischen Methoden die Messfehler zu korrigieren. Leider braucht man für diese Studie große Populationen. Darum hoffen wir auch, in der neuen Gesundheitsstudie 125 000 Adventisten untersuchen zu können. Davon werden mindestens 45 000 Farbige sein. Denn diese Populationsgruppe hat die meisten Gesundheitsprobleme.
GE!: Wie versteht du die neue Studie? Warum ist es sointeressant, Adventisten wissenschaftlich unter die Lupe zu nehmen?

GF: Ich verstehe die neue Gesundheitsstudie nicht in dem Sinne, dass wir beweisen möchten: Adventisten leben gesünder als die Durchschnittsbevölkerung. Das ist Schnee von gestern. Ich sehe sie eher als echten wissenschaftlichen Beitrag, um einige wichtige Fragen zu beantworten. Manche Leute verstehen nicht, warum diese Studie überhaupt durchgeführt wird. Allerdings kann sie uns Antworten geben, die jeden von uns betreffen. Die Adventisten sind eine sehr interessante Gruppe für eine wissenschaftliche Untersuchung. Auf der einen Seite sind sie in vielen Merkmalen homogen: zum Beispiel Nichtraucher, Antialkoholiker, gläubig usw. Auf der anderen Seite gibt es unter Adventisten eine Vielzahl unterschiedlicher Ernährungsgewohnheiten von vegan bis Fleischkost.

GE!: Mittlerweile gibt es in den USA zahlreiche epidemiologische Studien, etwa die Nurses Health Study, die Health Professional Study usw. Was für überzeugende Argumente konntet ihr der NIH präsentieren, dass sie sich entschieden haben, eine so große Studie zu finanzieren?

GF: Wir mussten wirklich nachweisen, was uns interessant und spezifisch macht; was wir mit unserer Studie beweisen können und die andern nicht. Ein Argument war, dass viele der vorliegenden Studien nicht groß genug sind und dies wahrscheinlich manchmal zu fehlerhaften Ergebnissen führt. Die neue Adventist Health Study wird eine der größten epidemiologischen Studien in den USA sein. Die anderen Studien haben einfach nicht diese große Variabilität von Ernährungsgewohnheiten; so wurde zum Beispiel der hohe gesundheitliche Effekt von Nüssen gerade von Adventisten entdeckt. 25 Prozent der untersuchten Adventisten konsumieren täglich Nüsse. In der allgemeinen Bevölkerung liegt die Rate nur bei drei Prozent. Deshalb ist es so schwer, einige Zusammenhänge an einer allgemeinen Population zu studieren.
Wahrscheinlich besteht der größte Unterschied zu der alten Studie darin, dass die neue an Adventisten in den ganzen USA durchgeführt wird. Die alte Studie war nur auf Südkalifornien begrenzt. Ein weiterer Grund, den wir anführen konnten, ist der, dass einige Adventisten sehr viel Sojaprodukte konsumieren. Es gibt kaum eine andere derart große Gruppe in den USA, die das tut. Heutzutage wird sehr viel über die Vor- und Nachteile des Sojakonsums geforscht. Adventisten scheinen eine natürliche Gruppe für diese Untersuchung zu sein. Es gibt einige vorläufige Ergebnisse, die zeigen, dass Sojakonsum sehr effektiv gegen viele Arten von Krebs ist.

Dr. med. Peter Pribis









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