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Möchten Sie 10 Jahre länger leben?


Erfahrung hat die Menschheit schon längst zu der Erkenntnis gebracht, dass ein Zusammenhang zwischen dem Lebensstil und der Gesundheit bzw. Krankheit einer Person besteht. Wissenschaftler haben festgestellt, dass fast alle Krankheiten durch die Auswirkung unserer Umgebung verursacht werden. Alles, was auf uns wirkt - sei es Luft, Wasser, Ernährung, aber auch seelische Faktoren wie Stress, Überlastung oder Freude und Zufriedenheit - entscheiden zum großen Teil darüber, wann und wie wir sterben werden.

Seit 1976 läuft in Südkalifornien eine große epidemiologische Studie, die unter dem Namen Adventist Health Study bekannt wurde. Mehr als 34.000 Siebenten-Tags-Adventisten wurden acht Jahre lang begleitet und eine große Menge von Informationen über ihren Lebensstil, ihre Gesundheit und Krankheit gesammelt. Das Interessante an dieser epidemiologischen Studie ist, dass sie einen Vorteil gegenüber anderen Studien hat. In der Tabelle 1 können Sie die Grundcharakteristika der Teilnehmer lesen: fast alle waren Nichtraucher und Anti-Alkoholiker. Deswegen konnte man bei ihnen den „reinen Effekt“ von verschiedenen Lebensgewohnheit untersuchen wie zum Beispiel Ernährung, Bewegung usw.

Das Problem vieler epidemiologischen Studien ist, dass die Sprache, in der die Ergebnisse berichtet werden, für Laien schwer verständlich ist. Man kann fast täglich in den Nachrichten hören, dass zum Beispiel der Verzehr von diesen oder jenen Lebensmitteln das Risiko, von einer bestimmten Krankheit befallen zu werden, zum Beispiel um 50 Prozent senkt. Das Problem ist, was man sich darunter vorstellen soll. Schwebt etwa ein imaginärer 70 Prozent großer Schutz um meine Prostata herum, wenn ich zum Beispiel Sojamilch vor Kuhmilch bevorzuge? Oder schirmt ein 60 Prozent großer Schutz mein Herz ab, wenn ich täglich Nüsse esse? Im Jahre 2001 wurde in der Zeitschrift „Archives of Internal Medicine“, die von der Amerikanischen Ärzteassoziation herausgegeben wird, ein interessanter Artikel publiziert, der diesen imaginären Schutz ein bisschen mehr erklärt (Arch Intern Med. 2001;161:1645-1652).

Durch Beobachtungen hat man festgestellt, dass adventistische Männer und Frauen im Durchschnitt mehrere Jahre länger leben als der Rest der kalifornischen Bevölkerung. Im Jahr 1976 haben die Teilnehmer der Adventist Health Study einen ausführlichen Fragebogen ausgefüllt. Sie beschrieben darin ihre Essgewohnheiten (Vegetarier oder Fleischesser), Bewegungsgewohnheiten (viel Bewegung oder keine Bewegung), Nusskonsum (Nüsse täglich oder nie Nüsse) und Raucherverhalten; bei Frauen wurde außerdem die Einnahme von Hormonsubstitution (ja oder nein), Gewicht und Größe abgefragt. Nun könnte man fragen: Warum werden gerade diese Faktoren aufgeführt und nicht andere? Das liegt daran, dass der Fragebogen 1976 erstellt wurde. Es passiert immer wieder, dass man zu einem späteren Zeitpunkt einen neuen Schutz oder einen Risikofaktor findet. Wenn man diesen dann mit den Daten, die einem vorliegen, abklären möchte, muss man leider feststellen, dass man in dem Fragebogen nach diesem Faktor nicht gefragt hat. Die Wissenschaftler haben also sechs Faktoren ausgewählt, die in dem Fragebogen eingeschlossen waren. Alle abgefragten Verhaltensweisen hat man dann in drei Kategorien eingeordnet, wie z. B. Vegetarier, Halbvegetarier und Gemischtköstler. Um als Vegetarier zu gelten, musste man übrigens das Kriterium erfüllen, Fleisch weniger als einmal pro Woche zu essen. Eine ähnliche Einstufung in drei Kategorien hat man für alle anderen Verhaltensweisen vorgenommen (siehe Tabelle 1).

In einer statistischen Rechnung haben die Wissenschaftler ausgerechnet, wie die Lebenserwartung aller Männer (85,1 Jahre) und Frauen (88,3 Jahre) aussehen würde, wenn alle Verhaltensweisen auf den mittleren Wert für alle Teilnehmer eingestellten würden. Mit anderen Worten, die ganze Population würde aus Halbvegetarieren bestehen, die ein- bis viermal pro Woche Nüsse essen, sich mittelmäßig bewegen und nicht übergewichtig sind. Man hat dann angefangen, verschiedene Verhaltensweisen als niedriges Risiko (z. B. bei Ernährung ist es vegetarische Lebensweise) gegenüber einem hohen Risiko (z. B. bei Ernährung ist es Mischkost) zu kontrastieren. In der Tabelle 2 können Sie die Ergebnisse sehen. Ein Mann, der sich vegetarisch ernährt, bekommt im Vergleich zu einem Fleischesser sozusagen als Belohnung für diese gesunde Entscheidung 1,53 zusätzliche Lebensjahre. Eine ähnlich positiv erhöhte Lebenserwartung hat man bei Bewegung (2,73 Jahre), täglichem Nusskonsum (2,74 Jahre), optimalem Gewicht (1,41 Jahre) und bei Nie-Rauchern (1,25 Jahre) beobachtet. Wenn man alle diese „zusätzlichen“ Jahre addiert, kommt man auf die stattliche Zahl von ungefähr zehn Jahren (9,66), die Adventisten länger leben als die durchschnittliche Bevölkerung. In ähnlicher Weise hat man die Auswirkung von verschiedenen Verhaltensweisen auf die Lebenserwartung bei Frauen ausgerechnet. Frauen, die sich vegetarisch ernährten, lebten 1,51 Jahre länger. Für Bewegung bekamen sie als „Belohnung“ 1,88 Jahre, für täglichen Nusskonsum 1,87.
Für optimales Gewicht gab es 2,25 Jahre, Nie-Rauchen erbrachte 1,8 Jahre und diejenigen, die Hormonsubsitution genommen hatten, bekamen 1,06 zusätzliche Jahre. Ähnlich wie bei Männern kommt man beim Addieren auf eine Gesamt-zahl von 10,37.
Im Kommentar zu der Studie schreibt Gary Fraser, der Chefepidemiologe der Health Study, folgendes: „Die Ergebnisse zeigen, dass verschiedene Verhaltensrichtlinien großen Einfluss auf die Lebenserwartung haben und den Tod bis zu zehn Jahren hinausschieben können. Empfehlungen, sich vernünftig zu ernähren, sich zu bewegen, nicht zu rauchen und optimales Gewicht zu haben, sind die Hauptthemen der Präventivmedizin von heute. Die Ergebnisse unserer Studie können benutzt werden, um die Leute zu motivieren. Es scheint so, dass man die Auswirkung von den oben beschriebenen Verhaltensweisen auf adventistische, aber auch nicht-adventistische Population anwenden kann. Es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass sich bei Adventisten verschiedene Verhaltensweisen anders auswirken als beim Rest der Bevölkerung.“ Die verlängerte Lebenserwartung kommt also von den richtigen Entscheidungen, die jemand für sein Leben trifft.
Entscheiden Sie sich für vegetarische Ernährung, für Bewegung, für Nusskonsum und bemühen Sie sich um ein optimales Gewicht, so können Sie als Belohnung bis zu zehn Jahre länger leben. Entscheiden Sie sich dagegen für Fleischkonsum, verschaffen Sie sich nicht genügend Bewegung, essen Sie keine Nüsse und sind Sie übergewichtig, so werden Sie wahrscheinlich die Lebenserwartung der durchschnittlichen Bevölkerung erreichen.

In Tabelle 3 sehen Sie die Lebenserwartung zum Zeitpunkt der Geburt für verschiedene Populationen der Welt. Es geht daraus klar hervor, dass die Teilnehmer der Adventist Health Study, die sich für eine vegetarische Lebensweise entschieden haben, die höchste beschriebene Lebenserwartung auf dieser Welt haben. Dabei gilt die vegetarische Lebensweise mehr als Zeichen eines gesunden Lebensstils denn als das Fehlen von Fleisch in der Ernährung.

Wir haben es selbst in der Hand. Die Entscheidung müssen wir alleine treffen; für oder dagegen. Gott hat uns durch die Lebensstilreform schon vor mehr als 150 Jahren informiert, was zu einem gesunden Lebensstil gehört, und die Wissenschaft hat es heute bewiesen. Die Entscheidung liegt bei Ihnen. Bitte entscheiden Sie sich richtig!


Dr. med. Peter Pribis, Dr.P.H.





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