Ingrid Tajti

Gesundheitstrainerin der LLG
Bogenhofen, A

Leben & Gesundheit Ausgabe 3/2016

 

Wasser: natürlich und heilsam - Das ansteigende Fußbad

Hydrotherapie ist die hohe Kunst, durch die Anwendung von Wasser eine heilende Wirkung auf den Körper zu erzielen. In diesem Artikel soll es um den Einsatz warmen Wassers beim ansteigenden Fußbad gehen.

 

Das ansteigende Fußbad

Das ansteigende oder heiße Fußbad ist ein äußerst wirkungsvolles und vielfältig einsetzbares Teilbad. Dabei werden die Füße in ein geeignetes, mit heißem Wasser (38 – 42°C) gefülltes Gefäß getaucht. Nicht nur die Füße, sondern auch ein möglichst großer Teil der Unter schenkel soll bedeckt sein. Die Behandlungsdauer beträgt zwischen 10 und 40 Minuten – oder bis die gewünschte Wirkung erzielt wird. Diese Wasseranwendung kann zur allgemeinen Erwärmung oder im Zusammenhang mit anderen Behandlungen als Vorbereitung angewendet werden, z. B. vor einer kalten Abreibung, einem kalten Guss oder einem erwärmenden Wickel.

 

Anwendungsgebiete und Wirkung des ansteigenden Fußbades 

Der Einsatzbereich des ansteigenden Fußbades ist vielfältig, da die Füße mit dem Kopf, Brust- und Beckenbereich in einer reflektorischen Wechselwirkung stehen. Das heißt, dass dieselbe Wirkung, die durch die Behandlung auf die Blutgefäße, die Durchblutung und den Zellstoffwechsel im Behandlungs-bereich erzielt wird, über das Nervensystem auch in den entsprechenden Reflexbereichen eintritt. Dieses Prinzip macht man sich z. B. bei Nasenbluten zunutze. Die Nase blutet. Aber nicht auf die Nase, sondern in den Nacken wird ein kaltes, feuchtes Tuch gelegt. Und was passiert, wenn man Glück hat? Das Nasenbluten hört auf. Warum eigentlich? Kaltes Wasser führt dazu, dass sich die Blutgefäße im Nackenbereich zusammenziehen und die Durchblutung dieses Bereiches daher verringert wird. Dasselbe geschieht aber auch im Reflexbereich, in der Schleimhaut der Nasennebenhöhlen. Die Blutgefäße ziehen sich auch dort zusammen. Die Durchblutung nimmt ab, bis dann auch das Nasenbluten aufhört. Praktisch, nicht wahr? Unser wunderbarer Körper ist mit einer ganzen Reihe solcher Reflexmechanismen ausgestattet, und das macht man sich in der Hydrotherapie zu-nutze. Über eine Anwendung im Bereich der Füße kann man z. B. auch auf den Kopf-, Brust- und Beckenbereich einwirken. Was sagte schon Oma? «Zieh dir warme Socken und Schuhe an! Von kalten Füßen bekommst du einen Schnupfen, Husten und obendrein noch eine Blasenentzündung. » Na ja, eine Erkältung wird zwar durch Viren hervorgerufen, aber das kalte Füße diesen den Angriff leichter machen, stimmt schon.

 

Was passiert beim heißen Fußbad? 

Durch die Wärme erweitern sich die Blutgefäße in den Füßen. Diese werden besser durchblutet und mit Sauerstoff, Nährstoffen und Immunzellen versorgt, was wiederum bei Entzündungen im Fußbereich den Heilungsprozess unterstützen kann. Gleichzeitig erweitern sich auch in den Reflexbereichen die Gefäße, und die Durchblutung wird angeregt. Da unser Blutkreislauf ein geschlossenes System mit einer begrenzten Menge an Blut ist, wird durch die Gefäßweitstellung in den Füßen Blut dorthin abgezogen. Der Blutandrang im Gehirn, in den Bronchien und Lungen oder im Beckenraum kann dadurch abgeleitet werden. Gleichzeitig werden die Durchblutung und die Aktivität der weißen Blutkörperchen angeregt.

Physiologische Wirkung des ansteigenden Fußbades

  • Allgemeine Erwärmung der Füße und des Körpers
  • Lokale und reflexive Erweiterung der Blutgefäße
  • Stark erhöhte Blutversorgung – lokal und über Reflexbahnen
  • Ableiten eines Blutstaus (Derivation)aus den Reflexbereichen (Kopf, Brust, Becken)
  • Erhöhte Aktivität der weißen Blutkörperchen – Anregung des Immunsystems
  • Anregung des Stoffwechsels und damit des Heilungsprozesses
  • Beschleunigter Abtransport von Stoffwechsel- Endprodukten
  • Entspannung und Wohlbefinden

Gegenanzeigen

Da das ansteigende Fußbad das Herz-Kreislauf-System anregt, darf es nur bei Menschen mit einem gesunden Herzen und gesunden Blutgefäßen angewendet werden. Bei Herzproblemen, erhöhtem Blutdruck, Gefäßerkrankungen der Arterien oder Venen, vermindertem Temperaturempfinden sowie Diabetes dürfen Wasseranwendungen nur nach Rücksprache mit dem Arzt gemacht werden! Die Wassertemperatur soll dann 40°C nicht übersteigen.

 

Bei folgenden Leiden darf kein ansteigendes Fußbad durchgeführt werden!

  • Periphere Gefäßerkrankungen: Krampfadern, Venenthrombose, Arterienverkalkung
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) – Wassertemperatur bis max. 40°C
  • Neuropathie (Nervenschädigung), Gefühlsstörungen
  • Blutungsneigung, auch durch Blutverdünner
  • Offene oder frische Wunden
  • Erfrierungen

Die wichtigsten Anwendungsgebiete nach Reflexzonen geordnet:

Das ansteigende Fußbad kann bei einer ganzen Reihe von Beschwerden Erleichterung bringen. Eine Abklärung und Diagnose durch den Hausarzt soll natürlich jeder Behandlung durch Naturheilmittel vorausgehen.

 

Anwendung im Kopfbereich
  • bei Kopfschmerzen aufgrund von Blutandrang zum Gehirn (kongestiver Kopfschmerz)
  • bei Erkältung und Schnupfen
  • bei Hals- und Ohrenschmerzen

 

Anwendung im Brustbereich
  • bei Husten
  • bei Bronchitis
  • unterstützend bei Lungenentzündung

 

Anwendung im Beckenbereich
  • bei Blutstau im kleinen Becken
  • bei Blasen- oder Eierstockentzündung
  • bei Menstruationsschmerzen
  • unterstützend bei Prostatabeschwerden

 

Wirkung auf den ganzen Körper
  • Erwärmung bei Kältegefühl
  • Linderung bei einer Erkältung (grippaler Infekt)
  • Stärkung des Immunsystems
  • Förderung der Ausscheidung
  • Abhilfe bei Anspannung, Müdigkeit und Schlaflosigkeit

So wird’s gemacht:

    Grundsätzlich kann die Behandlung im Sitzen oder bei geschwächten Menschen auch im Liegen durchgeführt werden. Der Raum sollte warm und frei von Zugluft sein. Es gibt mehrere Varianten.

     

    1.    Selbst ist der Patient

    Gibt man sich selbst ein Fußbad, stellt man eine große, hohe Wanne in die Badewanne und füllt sie zu ¾ mit warmem Wasser (ca. 38°C). Wenn kein Wasserthermometer vorhanden ist, lieber mit dem Ellenbogen als mit der Hand die Temperatur kontrollieren! Dann nimmt man auf dem Badewannenrand Platz am besten auf einem zusammengefalteten Handtuch und stellt beide Beine in die Wanne. Das Wasser sollte mindestens bis über die Knöchel, besser noch bis zur Mitte der Waden reichen. Alle 2 – 5 Minuten erhöht man durch die Zugabe von heißem Wasser schrittweise die Wassertemperatur bis maximal 42°C. Je nach Bedarf kann die Behandlungsdauer 10 – 40 Minuten betragen. Danach duscht man die Füße kurz mit kaltem Wasser (zwischen 20 und 12°C) aus dem Brauseschlauch ab, streift das Wasser ab oder tupft die Füße mit einem Handtuch trocken und zieht Baumwollsocken an. Dann folgt etwas sehr Wichtiges – das Nachruhen. Jede Wasseranwendung setzt einen Reiz, auf den der Körper reagiert. Diese Reaktion dauert auch nach Behandlungsende noch an und darf nicht unterbrochen werden. Also ab ins Bett oder auf die Couch – für mindestens 30 – 60 Minuten! Eine gute Zeit für ein ansteigendes Fußbad ist daher der Abend. Dann kann man gleich bis zum nächsten Morgen durchschlafen. Das Fußbad kann bei kräftigen Personen mit entsprechender Reaktionsfähigkeit auch mehrmals täglich erfolgen.

     

    2.    Verwöhnt werden tut gut

    Ist ein Helfer im Haus oder verwöhnen die Eltern ein krankes Kind, kann man es dem Patienten auf einem Stuhl gemütlich machen und mit Hilfe eines Wasserkochers für Nachschub an heißem Wasser sorgen. Vorsicht beim Zugießen, damit die Füße nicht verbrannt werden! Bevor das Wasser überläuft, mit einem geeigneten Gefäß oder einem kleinen Kübel etwas Wasser abschöpfen. Zum Abschluss die Wanne etwas vorziehen, die Beine hochhalten und das vorbereitete kalte Wasser rasch über die Fußsohlen gießen. Und dann ab ins Bett!

     

    3.    Ich leg mich lieber hin

    Bei stark erkälteten und somit geschwächten Personen ist es am besten, die Behandlung im Liegen durchzuführen. Das Bett kann durch einen Kautschuk oder ein großes Stück Plastik, das von einem Badetuch bedeckt wird, geschützt werden. Die Wanne wird so nahe ans Gesäß geschoben, dass die angewinkelten Beine bequem im Wasser stehen können.

     

    4.    Bei Erkältungen am besten noch mit Schwitzpack

    Bei einem Infekt, d. h. einer durch Mikroorganismen hervorgerufenen Erkältung, die den ganzen Organismus betrifft, wird das Fußbad am besten dadurch verstärkt, dass der ganze Kör-per in Decken eingewickelt und zum Schwitzen gebracht wird. Wenn dies schon bei den ersten Anzeichen für eine Erkältung (Halsweh, Unwohlsein, rinnende Nase) geschieht, kann manchmal die Erkrankung noch im Keim erstickt werden. Ausprobieren lohnt sich.

     

    Checkliste 1 – diese Ausrüstung
    wird benötigt

    • 1 Fußbadewanne von geeigneter Größe und Höhe
    • 1-2 unzerbrechliche Wasserkrüge oder kleine Kübel
    • 1 Wasserthermometer
    • Evtl. 1 Wasserkocher
    • 1-2 Handtücher
    • Im Liegen zum Schutz des Bettes ein großer Plastiksack

    Schwitzen Extra - Anwendung:

        Auf einen Stuhl werden der Länge nach 2 sich in der Mitte ca. 30 cm überlappende Wolldecken gelegt. Darüber kommen in gleicher Weise 2 Leintücher. Dann nimmt der Kranke in Badebekleidung, Unterwäsche oder im «Adamskostüm» darauf Platz. Am besten stellt man den Stuhl so an eine Wand, dass der Kopf bequem zurückgelehnt werden kann. Die Füße werden in die zur Hälfte mit 38 – 40°C warmem Wasser gefüllte Fußbadewanne eingetaucht. Zur schnelleren Erwärmung der Arme und Oberschenkel kann eine in ein Handtuch eingeschlagene Wärmeflasche auf den Schoß gelegt werden. Jetzt werden zuerst die Leintücher und dann die Decken eng und luftdicht um den Körper und die Wanne gewickelt.
          Um den Hals ein Handtuch schlagen, um ein Kratzen der Decke oder ein Eindringen kalter Luft zu vermeiden und gleichzeitig den Schweiß aufzufangen. Wie gewohnt wird die Wassertemperatur innerhalb von 10 – 15 Minuten schrittweise auf maximal 42°C erhöht. Das Wasserthermometer hilft dabei. Beim Nachgießen die Füße zur Seite schieben und mit einer Hand das Wasser bewegen. Erst dann heißes (kochendes) Wasser nachgießen. Bei dieser Behandlung ist es erforderlich, den Kopf mit kalten Kompressen kühl zu halten. Dies ist wichtig, um das Wohlbefinden zu erhalten und Kopfschmerzen vorzubeugen. Sobald im Gesicht und auf der Stirn die ersten Schweißperlen zu sehen sind, werden kalte Kompressen auf die Stirn, die Wangen und/oder in den Nacken gelegt. Sie müssen regelmäßig gewechselt werden. Dazu dient ein Becken mit möglichst kaltem Wasser (maximal 12°C), das bei Bedarf gewechselt oder auch mit Eis oder Schnee kalt gehalten werden kann. Wichtig ist dabei auch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr während und nach der Behandlung, um den Flüssigkeitsverlust zu ersetzen. Um ein rascheres Aufwärmen zu gewährleisten, sind warme Getränke wie Tee vorzuziehen. Ein Trinkhalm ist hier ganz praktisch. Die Behandlung wird so lange fortsetzt, bis der Patient gut ins Schwitzen gekommen ist, also ca. 20 – 40 Minuten.
            Irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo man sich auf eine Abkühlung freut. Wenn sich die Person zu irgendeinem Zeitpunkt nicht mehr wohl fühlt oder schon früher befreit werden will, wird die Behandlung beendet. Die Decken und Leintücher werden ein wenig geöffnet, und kaltes Wasser wird über die hochgestellten Fußsohlen gegossen. Das ist wichtig, damit beim Aufstehen kein Schwindelgefühl auftritt. Schnell die Füße abtrocknen, Hausschuhe anziehen und eine lauwarme Dusche nehmen. Ist das nicht möglich, kann auch mit einem Waschlappen eine kalte Ganzkörperabreibung durchführt werden. Sehr wichtig ist hierbei die Einhaltung einer mindestens 30-minütigen Liegeruhe! Wenn nötig, kann der Kopf noch etwas länger gekühlt werden.

        Checkliste 2 – Zusatzausrüstung «Schwitzen Extra»

         

        • 2 Leintücher (Laken)
        • 2 Wolldecken
        • Evtl. 1 warme Wärmeflasche (Thermophor), in ein Handtuch gewickelt
        • 1 Wanne für kaltes Wasser (evtl. Eis oder Schnee)
        • 3 kalte Kompressen (Waschlappen, kleines Handtuch),um den Kopf zu kühlen
        • Evtl. 1 Fieberthermometer
        • Evtl. ein warmes Getränk (z. B. Tee) mit Strohhalm